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Der Erlkönig kriegt die meisten Klicks (Westfalenpost) D. 0
Der Erlkönig kriegt die meisten Klicks
WP, 14.08.2009

Hagen. Bariton Peter Schöne realisiert ein ehrgeiziges Projekt: Er nimmt alle Schubert-Lieder für das Internet auf. Diese gibt es dann kostenlos zum Hören und Herunterladen.

Der junge Bariton Peter Schöne macht Franz Schubert im Internet zum Klick-Magneten. Gemeinsam mit seinem Klavierpartner Boris Cepeda realisiert er ein ebenso ehrgeiziges wie einzigartiges Projekt: Die Musiker nehmen alle 645 Lieder von Schubert auf und stellen sie als Gesamtedition zum kostenlosen Hören und Herunterladen ins Internet.

Der Fischer-Dieskau-Meisterschüler Peter Schöne, dem Publikum durch sein Engagement am Theater Hagen und seine Liederabende in der Region bestens bekannt, gehört zu den hochbegabten Nachwuchssängern in Deutschland. Der 33-Jährige ist bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, darunter dem Schneider-Schott-Musikpreis Mainz, dem 3. Preis des ARD-Wettbewerbs und jüngst dem Preis der Deutschen Schubertgesellschaft. Neben der Oper - derzeit ist der Bariton am Theater Erfurt engagiert - gehört dem Lied seine große Liebe und sein ganzes Engagement.

Die Resonanz ist enorm

Schöne ist ein dem technischen Fortschritt aufgeschlossenes Kind des Internetzeitalters. Da liegt es nahe, dem Lied, und vor allem dem Schubert-Lied, im Netz Geltung zu verschaffen und damit neue Hörerschichten anzusprechen. Das Abenteuer funktioniert, die Resonanz ist enorm. Schöne: „Der ,Erlkönig' ist der absolute Hit. Unsere Seite gibt es erst seit einem Jahr und wir haben bereits fast 20 000 Zugriffe auf die Goethe-Vertonung. Auf jeden Fall führen wir neue Leute an Schubert heran, es gibt tatsächlich Nutzer, die maximal den ,Erlkönig' kannten und jetzt ganz erstaunt sind, dass Schubert so viele andere Lieder geschrieben hat.”

Da viele dieser Besucher Jugendliche sind, die zum Beispiel in der Schule einen Aufsatz über Goethe schreiben müssen und über die Internet-Recherche bei Wikipedia auf Schönes www.schubertlied.de stoßen, liegt es den Musikern am Herzen, die Initiative als nicht-kommerziellen Internet-Auftritt zu starten. Schöne: „Die Seite soll erzieherischen Charakter haben. Gleich am Anfang waren Einträge von jungen Leuten auf der Seite. Wir machen das für Musikfreunde, die sich mit dem Schubert-Lied beschäftigen wollen. Das soll ganz kostenlos bleiben. Man kann sich die Dateien auch frei herunterladen.”

Die Verwirklichung eines Sänger-Wunschtraums

Die Verlinkung mit Wikipedia steht, weitere sollen folgen, damit Studenten und Lehrer ebenfalls von der Möglichkeit des enzyklopädischen Zugriffs auf Schuberts Lieder profitieren.

Für Schöne selbst ist das Schubert-Projekt die Verwirklichung eines Sänger-Wunschtraumes. „Ich hatte vor, diese Lieder alle einmal zu singen, mich richtig damit zu beschäftigen, hatte aber auch im Blick, dass es schon CD-Gesamtaufnahmen gibt. Da kam die Idee, warum sollen wir das nicht im Internet veröffentlichen?”

Eine künstlerische Herausforderung ersten Ranges

Der Kosmos des Schubert-Liedes ist unerschöpflich und eine künstlerische Herausforderung ersten Ranges - zumal sich der Bariton dem Vergleich der Referenz-Interpretationen stellen muss, die es bereits gibt.

„Man erhält dadurch eine andere Stimmkontrolle. Es zeigt sich, wie schonungslos das Mikro ist im Vergleich mit dem Liveauftritt. Auch für mein sonstiges Singen ist die Geschichte sehr befruchtend. Der Umgang mit schwierigen Akustiken ist für mich leichter geworden. Vor allem ist es aber eine persönliche Bereicherung, mehr von diesen wunderbaren Liedern kennenzulernen, das ist einfach ein Geschenk”, unterstreicht Schöne.
105 Lieder werden schon präsentiert

www.schubertlied.de befindet sich noch im Aufbau. 105 Lieder werden bisher präsentiert. Peter Schöne und Boris Cepeda betreiben die Seite ehrenamtlich. Schöne: „Deshalb suchen wir noch Sponsoren, weil wir das Projekt kostenlos halten wollen, damit wir uns ab und zu auch einen Tonmeister leisten können.”